Werkstoffe mit außergewöhnlichen Eigenschaften
Phononische Metamaterialien
Phononische Metamaterialien (PMM) sind künstlich entwickelte Werkstoffe, deren innere Struktur gezielt so gestaltet wird, dass sie die Ausbreitung mechanischer Wellen beeinflussen. Dadurch können Schwingungen und Körperschall in definierten Frequenzbereichen deutlich reduziert werden, bei gleichzeitig geringem Gewicht. Diese Eigenschaften machen PMM zu einer vielversprechenden Technologie für zukünftige Leichtbaustrukturen im Flugzeugbau.
Mit dem Forschungsprojekt PhonoFluBa im Rahmen des Luftfahrtforschungsprogramms LuFo VII-1 soll ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur industriellen Nutzung dieser Werkstoffe gelingen. Ziel ist es, neue numerische Berechnungsverfahren zu entwickeln, mit denen sich phononische Metamaterialien gezielt für konkrete Anwendungen im Flugzeugbau auslegen lassen. Auf diese Weise sollen aufwendige Entwicklungszyklen mit zahlreichen physischen Prototypen künftig weitgehend durch simulationsgestützte Entwicklungsprozesse ersetzt werden.
Projektziel und Vorgehen
Verbesserter Reisekomfort in Flugzeugen
Im Mittelpunkt des Verbundvorhabens steht die Entwicklung einer durchgängigen Simulationsmethodik für Bauteile aus phononischen Metamaterialien. Hierfür werden zwei innovative numerische Verfahren miteinander kombiniert. Durch die Kopplung beider Verfahren soll erstmals eine rechnergestützte Entwicklung von PMM-Komponenten ermöglicht werden, die exakt auf die vibroakustischen Anforderungen zukünftiger Flugzeugstrukturen abgestimmt sind. Die entwickelten Methoden werden abschließend anhand einer realen Musterkomponente experimentell validiert.
-
Spektral-Elemente-Methode (SEM)
SEM zur effizienten Berechnung der Wellenausbreitung in komplexen Metamaterialstrukturen
-
inversen Topologieoptimierung (ITO)
Verfahren der ITO zur gezielten Gestaltung der inneren Materialstruktur
Zusammenarbeit im Verbund
Projektpartner Novicos GmbH und HAW Hamburg (Adaptronik und Strukturdynamik)
Während Novicos die Entwicklung der Spektral-Elemente-Methode sowie deren praktische Anwendung und experimentelle Validierung übernimmt, entwickelt die HAW Hamburg neue Verfahren der inversen Topologieoptimierung zur automatisierten Auslegung phononischer Metamaterialien. Gemeinsam entsteht so eine durchgängige Entwicklungsumgebung für zukünftige PMM-Komponenten im Flugzeugbau.
Arbeitsschwerpunkte
Die Projektarbeiten gliedern sich in sechs aufeinander aufbauende Themenbereiche. Dadurch entsteht eine vollständige Entwicklungskette von den Anforderungen über die numerische Auslegung bis hin zur messtechnischen Verifikation.
1. Anforderungsdefinition
Definition der luftfahrtspezifischen Anforderungen und Auswahl geeigneter Demonstrator-Komponenten
2. Designsystematik
Entwicklung einer Designsystematik für phononische Metamaterialien
3. Physikalische Referenzmodelle
Aufbau physikalischer Referenzmodelle auf Basis konventioneller Finite-Elemente-Methoden
4. Kopplung SEM/FEM
Entwicklung und Implementierung der Spektral-Elemente-Methode einschließlich ihrer Kopplung mit der Finite-Elemente-Methode
5. inverse Topologieoptimierung
Integration der inversen Topologieoptimierung zur automatisierten Materialauslegung
6. Experimentelle Validierung
Experimentelle Validierung der entwickelten Methoden anhand einer Musterkomponente
Nutzen für die Luftfahrt
Gemeinsam mit einem hochkarätigen Konsortium aus Industrie und Wissenschaft arbeiteten wir an wegweisenden Methoden der Qualitätssicherung:
Phononische Metamaterialien besitzen das Potenzial, zukünftige Flugzeugstrukturen leichter und gleichzeitig schwingungsärmer auszulegen. Dadurch können sowohl der akustische Komfort in der Kabine als auch die strukturelle Leistungsfähigkeit verbessert werden.
Die im Projekt entwickelten Simulationsmethoden sollen die Entwicklung solcher Werkstoffe erheblich beschleunigen und die Zahl kostenintensiver physischer Prototypen deutlich reduzieren. Langfristig können die Ergebnisse einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Luftfahrt leisten und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit des Luftfahrtstandorts Deutschland stärken.
Ihr Ansprechpartner
Gern stehe ich Ihnen für Fragen sowie weiteren Details zur Durchführung von PhonoFluBa zur Verfügung.
Dr.-Ing. Thorben Schröder
Weitere Details
Die laufenden Entwicklungen und Erfolge von Forschungsprojekten wie PhonoFluBa teilen wir kontinuierlich auf LinkedIn. Folgen Sie uns, um aktuelle Updates zu erhalten und zu erfahren, wie maschinelles Lernen die Fertigungsindustrie revolutioniert.
Novicos bei LinkedIn